Leitfaden

Grundlagen

Hier erfahren Sie allgemeine Dinge über Aufbau und Funktion der Nieren und weshalb die Nieren für den Menschen so wichtig sind.

Welche Aufgaben haben die Nieren beim Menschen?

Anatomie der Niere
Anatomie der Niere

Jeder Mensch hat zwei Nieren, die außerhalb der Bauchhöhle in der Nähe der Rückenmuskulatur knapp unter den Rippen gelegen sind. Jede Niere wiegt etwa 150 Gramm und ist 10-12cm groß. Die Nieren produzieren Urin, der über ein kompliziertes System gefiltert wird (das sogenannte "Nephron").

 

 

Wie funktioniert das?

Funktion der Nieren
Funktion der Nieren

Die Nierenarterien versorgen die Nieren mit Blut.
In den Nieren befinden sich Millionen kleiner Filter (Nierenkörperchen) (die Glomeruli bzw. Einzahl =Glomerulum), die aus dem Blut den Urin abfiltern. An den Filtern hängt ein System kleiner Schläuche (die Tubuli bzw. Einzahl =Tubulus) in denen wichtige Substanzen wieder zurück geholt werden.

Nicht benötigte Substanzen und überschüssiges Wasser wird ausgeschieden.
Das gereinigte Blut fließt durch die Nierenvenen wieder zurück in den Körper. Der Abfall und das überschüssige Wasser werden durch die Harnleiter in die Blase transportiert.Über die Blase wird der Urin ausgeschieden.

Somit werden einerseits schädliche Stoffe ausgeschieden und andererseits für den Körper wichtige Stoffe (wie zum Beispiel Eiweiße) zurückgehalten. Außerdem erfolgt die Regulation des Wasserhaushalts. Neben der Entfernung von Schadstoffen (auch Entgiftung genannt) und Steuerung des Wasserhaushalts ist die Niere noch an anderen Vorgängen beteiligt.

  • Steuerung des Blutdrucks durch ein Hormon das "Renin" heißt.
  • Steuerung der Blutbildung durch ein Hormon das "Erythropoetin" heißt.
  • Steuerung des Knochenstoffwechsels durch die Bildung von "Vitamin D".

Wie viel Urin produziert der Mensch am Tag?

Täglich fließen etwa 1700 Liter Blut durch die Nieren, aus dem 1,5-2 Liter Urin gewonnen werden. Die Urinmenge hängt beim Gesunden vor allem von der Trinkmenge ab.

Was haben die Nieren mit dem Blutdruck zu tun?

Wenn die Nieren erkrankt sind, so werden sie oft nicht gut durchblutet. Diese schlechte Durchblutung führt dazu, dass die Nieren ein Hormon vermehrt produzieren, welches den Blutdruck erhöht, das sogenannte Renin. Dadurch soll die Nierendurchblutung verbessert werden. Dieser Vorgang kann jedoch bei entzündeten Nieren nicht richtig funktionieren. Im Gegenteil, der erhöhte Blutdruck schädigt sogar die kranken Nieren zusätzlich, was zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion führt. So entsteht ein Kreislauf, der zu einer stetigen Verschlechterung der Nierenfunktion führt. Zusätzlich schädigt der erhöhte Blutdruck natürlich auch andere wichtige Organe wie Herz-Kreislaufsystem, Augen und Gehirn.

Was haben die Nieren mit der Blutbildung zu tun?

In den gesunden Nieren wird das Hormon Erythropoetin (EPO) gebildet. Dieses Hormon regt das Knochenmark zur Blutbildung an. Ist die Bildung dieses Hormon wegen einer Schädigung der Nieren vermindert, so wird nicht mehr ausreichend Blut gebildet. Die Folge ist eine Blutarmut, die mit zunehmender Nierenschädigung stärker wird. Die Blutarmut führt zu Beschwerden wie Müdigkeit, Luftnot bei Anstrengung, Blässe, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen.

Wieso ist die Nierenfunktion für den Knochen wichtig?

In den Nieren wird das mit der Nahrung aufgenommene Vitamin D in seine aktive Form umgewandelt. Dieses Vitamin D ist unter anderem für die Aufnahme von Calcium aus der Nahrung verantwortlich. Bei einem Vitamin D-Mangel, wird zu wenig Calcium über den Darm aufgenommen. Dieses fehlende Calcium "holt" sich der Körper aus dem Knochen. Die Folge ist ein Abbau der Knochenmasse, eine Form der Knochenentkalkung entsteht, die sogenannte renale Osteopathie.

Wieso ist die Nierenfunktion für den Knochen wichtig?

In den Nieren wird das mit der Nahrung aufgenommene Vitamin D in seine aktive Form umgewandelt. Dieses Vitamin D ist unter anderem für die Aufnahme von Calcium aus der Nahrung verantwortlich. Bei einem Vitamin D-Mangel, wird zu wenig Calcium über den Darm aufgenommen. Dieses fehlende Calcium "holt" sich der Körper aus dem Knochen. Die Folge ist ein Abbau der Knochenmasse, eine Form der Knochenentkalkung entsteht, die sogenannte renale Osteopathie.

Wodurch entstehen Nierenerkrankungen?

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Etwa 24 % der Nierenerkrankungen (Nephropathien) sind die Folge eines lange bestehenden "Diabetes mellitus", der sogenannten Zuckerkrankheit. Durch die über viele Jahre zu hohen Zuckerwerte, kommt es zu einer Schädigung der kleinen Filter in der Niere und zum langsamen Nierenversagen.

Glomerulonephritis (Entzündung der Nieren)

Eine weitere sehr häufige Ursache für eine Nierenerkrankung ist eine Entzündung der kleinen Filtersysteme (Glomeruli, siehe oben). Ärzte nennen diese Entzündung "Glomerulonephritis". Etwa 21% der nierenkranken Patienten haben eine Glomerulonephritis, die man in viele unterschiedliche Formen unterteilen kann. Diese hier im Einzelnen zu besprechen würde zu weit führen. Entscheidend ist, dass die verschiedenen Arten der Nierenentzündung auch unterschiedlich behandelt werden müssen und einen unterschiedlichen Verlauf haben. Deshalb ist es wichtig, zu Beginn der Erkrankung eine genaue Diagnose zu stellen, um besser sagen zu können wie es weitergeht, mit dem Ziel eine optimale Behandlung durchführen zu können.

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Bei 15% der Nierenkranken sind häufige Nierenbeckenentzündungen die Ursache für die Krankheit. Infolge einer nicht ausgeheilten oder häufig sich wiederholenden bakteriellen Entzündung des Nierenbeckens kommt es zu einer chronischen Entzündung mit zunehmendem Verlust von Nierengewebe und langsam abnehmender Funktionstüchtigkeit der Nieren. Die meist aus der Harnblase stammenden Bakterien erreichen über die Harnleiter das Nierenbecken. Typische Anzeichen einer Nierenbeckenentzündung sind plötzlich ansteigendes Fieber, Schüttelfrost und Appetitlosigkeit verbunden mit heftigem Flankenschmerz.

Schmerzmittel

Durch den übermäßigen und langjährigen Gebrauch von Schmerzmitteln kann es zu einer chronischen Entzündung des Nierengewebes kommen. Im Verlauf sterben Teile der Niere ab und verursachen so ein chronisches Nierenversagen. Darüber hinaus ist das Risiko für Harnwegstumore vergrößert.

Zystennieren (Polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD))

Eine kleine Zahl der Patienten ( etwa 10% ) leidet an verschiedenen angeborenen Störungen, wie zum Beispiel der Zystennierenkrankheit (8%) bei der an beiden Nieren eine schrittweise auftretende Zerstörung des Nierengewebes durch zahlreiche unterschiedlich große wassergefüllte Hohlräume (Zysten) auftritt. Die Nieren können durch das Wachstum der Zysten mehrere Kilogramm schwer werden. Zystennieren dürfen nicht mit den vereinzelt auftretenden Nierenzysten verwechselt werden. Vereinzelt auftretende Nierenzysten beeinträchtigen die Nierenfunktion normalerweise nicht, auch wenn sie gelegentlich zu einem Druckgefühl in der Flanke oder Schmerzen führen können.

Hoher Blutdruck (Hypertonie)

Bei etwa 10% kommt es durch zu hohen Blutdruck zum Nierenversagen. Ein lange bestehender Bluthochdruck über 160 mmHg führt zu einer schleichenden, nicht mehr rückgängig zu machenden Schädigung der Nieren.

Schrumpfniere (Nephrozirrhose)

Schrumpfnieren können angeboren sein oder als Folge einer Engstelle am Abgang der Nierenarterie auftreten, die zu einer reduzierten Durchblutung der Niere führt. Es kommt zum Absterben von Nierengewebe und zur Schrumpfung der Niere.

Wassersackniere (Hydronephrose)

Bei der sog. Wassersackniere, ist der Harnabfluss aus dem Nierenbecken in die Blase gestört, wodurch es zu einem Harnstau kommt. Das Nierenbecken wird überdehnt und drückt auf das Nierengewebe, wodurch es zu einer dauerhaften Schädigung der Niere kommen kann. Ursachen der Harnabflussstörung können Harnleitersteine, Narben (z. B. nach Bestrahlung oder Unfall) oder auch ein lang andauernder Harnrückfluss aus der Blase über die Harnleiter ins Nierenbecken sein (Reflux).

Daneben gibt es noch eine Reihe seltener Krankheiten, die hier nicht alle aufgeführt werden sollen. Für alle hier genannten Krankheiten gilt, dass immer beide Nieren betroffen sind. Es gibt nur ganz wenige Nierenerkrankungen bei denen nur eine der beiden Nieren erkrankt (z.B. gutartige oder bösartige Nierengewächse, Vereiterungen und selten einmal Nierensteine ).

Erkrankungen und Häufigkeit (in Prozent %)

Zu den häufigsten Nierenerkrankungen, die zu einem Nierenversagen führen können, gehören:

Erkrankung Prozent (%)
Diabetiker-Niere 24
(davon Typ II 18 % u. Typ I 6 %)
Glomerulonephritis 21
Nierenbeckenentzündung 15
Zerstörung der Nieren durch Schmerzmittel 11
Bluthochdruck-Niere 10
Zystennieren 8
Schrumpfniere 5
Wassersackniere 5

Wie macht sich eine Nierenerkrankung (Nephropathie) bemerkbar?

Die meisten Betroffenen merken anfangs gar nichts. Bei sehr vielen Patienten fällt eine Nierenfunktionsstörung erst im Rahmen einer sogenannten "Routineuntersuchung" beim Hausarzt auf. Der Patient kann meistens gar nicht glauben, dass an den Nieren etwas nicht stimmt, denn es bestehen keine Beschwerden und das "Wasser läuft gut".

Diese Situation macht die Früherkennung einer Nierenfunktionsstörung sowohl für den Patienten, als auch für den Arzt so schwierig. Einige Patienten bekommen ein sogenanntes "akutes Nierenversagen". Dabei stellt die Niere innerhalb kurzer Zeit ( Tage bis Wochen ) die Funktion ein. Da der Körper keine Zeit hat sich an diese raschen Veränderungen zu gewöhnen bestehen in einem solchen seltenen Fall auch Beschwerden.

Folgende Symptome können auf eine Nierenfunktionsstörung hinweisen:

  • Schmerzen im Rücken (meist ein Druckgefühl), mit oder ohne Fieber. - Blutig verfärbter Urin, oder deutliche Veränderungen der Urinmenge (zu viel oder zu wenig Urin) mit unklaren Gewichtsschwankungen (Gewichtszunahmen oder -abnahmen von mehr als 1 kg pro Tag).
  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Augenlider/Beine) und gleichzeitiger Gewichtsanstieg.
  • Erhöhter Blutdruck Daneben treten auch sogenannte Allgemeinsymptome wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Kraftlosigkeit auf. Diese Beschwerden sind aber nicht typisch für eine Nierenerkrankung, da sie bei vielen Erkrankungen auftreten können. In jedem Fall gilt: Eine Urin- und Blutuntersuchung beim Hausarzt bringt häufig eine Klärung.

Was ist eine Glomerulonephritis?

Eine Glomerulonephritis ist eine Nierenerkrankung. Die Filter der Niere (die Glomeruli) entzünden sich, vernarben und verlieren ihre Fähigkeit Schadstoffe und Wasser aus dem Blut zu filtern. Anzeichen für eine solche Entzündung sind Müdigkeit, hoher Blutdruck, Schwellungen an den Knöcheln oder den Augenlidern und Blut und Eiweiß im Urin. Leider können die Nieren bereits schwer geschädigt sein bevor diese Anzeichen auftreten.

Sind Nierenerkrankungen erblich?

Die häufigsten Nierenerkrankungen, die Glomerulonephritiden, sind nicht erblich. Bei der Bluthochdruckerkrankung gibt es eine familiäre Belastung, ohne das eine strenge Vererbung vorliegt. Nierenerkrankungen, die einer Vererbung unterliegen sind die Zystennierenkrankheit, das Alport-Syndrom und das Syndrom der dünnen Basalmembran. Bei der Zystennierenkrankheit bilden sich in den Nieren viele kleine Zysten, die über Jahre die Nierenfunktion vermindern und so zur Dialyse führen. Beim Alport-Syndrom verdickt sich aus unbekannter Ursache die Membran der Filtersysteme der Nieren und es kommt zur Schwerhörigkeit. Das Syndrom der dünnen Basalmembran ist eine gutartige Veränderung der Nieren, die etwas mehr rote Blutkörperchen durchlassen, als dieses bei der Normalbevölkerung der Fall ist. Eine Nierenfunktionseinschränkung tritt nicht auf.

Weitere Informationen zum Thema Zystennieren finden Sie hier: www.zystennieren.de

Letzte Aktualisierung: 18.12.2018